Monat: Februar 2016

Glyphosat – Gift oder Wundermittel ?

Mysterium Glyphosat – ein Schadstoff im Masseneinsatz ?

Sie hat schon fast Kultstatus – die immer wiederkehrende Diskussion um eines der meist verwendeten Herbizide der Welt – das Glyphosat. Sage und schreibe 73 auf dem deutschen Markt vertriebenen Produkte enthalten den Wirkstoff, der unter dem Verdacht steht, krebserregend und erbgutverändernd zu sein. So jedenfalls stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) den Wirkstoff im März 2015 ein. Als dessen Gegenpart tritt mit schöner Regelmäßigkeit das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf. Das Institut stufte vorhandenen Studien als nicht ausreichend ein und bestreitet Gesundheitsgefahren durch Glyphosat. Dem widerspricht der Epidemiologe Eberhard Greiser. Er kritisiert, dass das BfR nur 31 der 92 vorliegenden Studien zu erhöhten Krebsrisiken berücksichtigt habe. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hält eine Beeinträchtigung der Artenvielfalt für gegeben, sieht aber keine Gefährdung für den Menschen. Wer hier nun was tatsächlich wissenschaftlich belegen kann, ist für den Laien, und das ist das Gros der Verbraucher nun einmal, nicht durchschaubar und so muß er sich denn nun eine Meinung bilden, ohne die komplizierte Materie tatsächlich durchschauen zu können. Sicher ist nur die enorme Verbreitung von Glyphosat. Auf 87 % der Anbauflächen für Winterraps und 72 % der Anbaufläche für Hülsenfrüchte wird Glyphosat ausgebracht, bei Wintergerste waren es immer noch 66 % und bei Sommergetreide 42 % der Anbauflächen. Auch der Hobbygärtner setzt regelmäßig Glyphosat ein.

Der Weg zum Verbraucher

Nun also ist das Wundermittel gegen Unkräuter in des Deutschen liebstem Lebensmittel angekommen, dem Bier und zwar bei allen meistverkauften Marken. Die Konzentration wies dabei durchaus Unterschiede auf. Die Bedeutung dieser Aussage des Umweltinstituts zu bewerten ist schwer möglich, da es keinen Grenzwert gibt. Ein wichtiger Hinweis ist allerdings die Tatsache, dass der Grenzwert für Trinkwasser um das bis zu 300fache überschritten wurde. Ins Bier gekommen ist das Glyphosat wahrscheinlich über die verwendeten Getreidesorten. Bereits 2013 wurde festgestellt, dass Mehl, Backwaren und Haferflocken Glyphosat-Rückstände enthielten. Der BUND hat bereits Glyphosat-Rückstände im Urin festgestellt. Bei dieser europaweiten Stichprobe war Deutschland besonders auffällig.

Den Bürger allein gelassen

Was sollen nun Müller,Meier und Lehmann mit dieser Gemengelage anfangen ? In der Gesamtwichtung der Aussagen aller Beteiligten halte ich den Verdacht, dass die Substanz kanzerogen sein könnte und zudem auch noch genverändernd für so bedeutsam für die Gesundheit der Bevölkerung, dass das Verbot von Glyphosat unumgänglich ist, zumindest solange bis die Hersteller oder staatliche Forschungseinrichtungen (besser und) die Ungefährlichkeit des Herbizids zweifelsfrei nachgewiesen haben. Die großen Hersteller werden dazu natürlich eine andere Meinung vertreten. Die BASF, Bayer, Syngenta und wie sie alle heißen würden es sicher überleben. Und der Verbraucher hätte eine Sorge weniger.

Und was entscheiden die Politiker

Wahrscheinlich wird die EU-Kommission die Zulassung für weitere 15 Jahre verlängern, dem Einfluß der Lobbyisten sei Dank. Und unsere Volksvertreter ? Natürlich lehnen die Grünen die Verlängerung der Zulassung ab. Die SPD-Fraktion versucht beim Verbraucher zu punkten, in dem sie ein Glyphosat-Verbot in Privatgärten und öffentlichen Grünanlagen fordert. Was für eine lächerliche Forderung angesichts der immensen Mengen, die die industrielle Landwirtschaft auf ihren riesigen Anbauflächen einsetzt und das sogar, nur um Getreide besser abtrocknen zu lassen. Die Agrar-Lobby bleibt natürlich unangetastet.
Im Bundestag hat die Mehrheit von SPD und CDU in schönster Harmonie den Antrag der Grünen auf Stop der EU-Zulassung abgelehnt.

Na dann, Prost.

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