Abgas- und andere Affären-Neues aus der Autowelt

Der VW-Affäre 2. (und 3.?) Teil

Wie immer in solchen Fällen versprechen die auf frischer Tat ertappten Missetäter rückhaltlose Aufklärung und bereitwillige Zusammenarbeit mit den Behörden. Auch die Mitglieder des Schienenkartells, des Zuckerkartells oder der Matrazenmafia (doch halt: gegen die wird ja noch nicht ermittelt), sie alle halfen ganz eifrig bei der Aufklärung der eigenen Missetaten. Nur selbst angezeigt hat sich noch keiner, alle machten solange weiter bis der sprichwörtliche Krug zerbrach und auch keiner hat sich bis heute zu dem warum geäußert. Die Volkswagen-Offensive allerdings war  nur von sehr kurzer Dauer, kaum glaubte man den ersten Ansturm überstanden zu haben, hatten die piniblen Amerikaner schon wieder etwas zu nörgeln an unseren schöne deutschen Autos. Dieses mal sollten die 3 l PKW-Diesel die Bösewichte sein und damit die Creme  de la creme des VW-Konzerns, VW Tuareg, Porsche Cayenne, Q 5, alles klangvolle Namen. Nur leider kommt auch hier zuviel Klang aus den edlen Abgastrichtern. Im Gegensatz zum ersten Teil der Saga hat Volkswagen diesmal entschieden in Abrede gestellt, hier etwas manipuliert zu haben. Doch kurz danach knickte man ebenso heftig ein und mußte Unregelmäßigkeiten auch in der mobilen Oberklasse einräumen. Nun ist also auch VW-Großaktionär die Porsche AG mit im sündigen Boot. Nun ist es noch dicker für Volkswagen gekommen. Auch die Brot- und Butter-Fahrzeuge Polo, Golf, Passat sowie Audi A1 und 3 schauen ins automobile Jenseits. Hier wurden die Angaben zum CO2-Ausstoß und damit dem Kraftstoffverbrauch geschönt,- eine klare Täuschung der Verbraucher. Dies war nur möglich, weil im autoaffinen Deutschland die Konzerne die Angaben zu diesen wichtigen Kenngrößen machen ohne das offenbar eine Kontrolle durch das KBA erfolgt ist. Scheinbar ist diese Behörde überflüssig wie ein Kropf. Man fühlt sich irgendwie an die Verhältnisse auf dem Arzneimittelmarkt erinnert wo die Pharmariesen seit Jahrzehnten die Preise für Ihre Produkte selbst festlegen durften und zum Teil noch dürfen,- ein Novum in der Weltwirtschaft. Ganz untergegangen ist bei diesem Getöse um Volkswagen, was ich bereits in meinem ersten Beitrag zum Thema am  30.09. 2015 prophezeit hatte, nämlich, dass auch andere Autokonzerne sich der Manipulation zu Lasten Ihrer Kunden schuldig gemacht haben. Dies betrifft ausgerechnet jenes Unternehmen, dass schon den automobilen Tod gestorben war und zurzeit wie Phönix aus der Asche steigt – der Opelkonzern. Dabei hat die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (siehe Berliner Zeitung vom 24./25.10.15 ) nur einmal rein gestochen in das Nest und mit dem Opel Zafira ausgerechnet eine Familienkutsche mit bis zu 17 mal höheren Abgaswerten erwischt. Von den Nachforschungen des Herrn Dobrindt hört man dagegen leider herzlich wenig. Offensichtlich hat dieser im Moment eine wichtigere Baustelle,- die Maut.

Toll Collect – ein Skandal mehr in der Erfolgsbilanz des Herrn Dobrindt

Offensichtlich nutzt der Bundeverkehrsminister die günstige Gelegenheit, im Angesicht der vielen Krisen den nächsten Skandal vorzubereiten. Wie anders soll man sein Verhalten in Sachen Toll Collect sonst einstufen. Herr Dobrindt möchte die Auftragsvergabe für die Erhebung der Maut freihändig, sprich ohne das vorgeschriebene EU-weite Ausschreibungsverfahren, vornehmen. Zu diesem Zweck wird der die Vergabe des Auftrages im EU-Amtsblatt veröffentlichen und dann hofft er, die in diesem Fall nur zweiwöchige Einspruchsfrist für andere interessierte Unternehmen ohne einen solchen Einspruch zu überstehen. Begünstigter dieses aalglatten Verfahrens, das offensichtlich durch eine Gesetzeslücke möglich ist, soll, wen wundert es, ausgerechnet das jetzige Konsortium aus Daimler und der Deutschen Telekom werden. Das pikante an der Sache ist, dass mit eben diesem Konsortium der Bund seit Jahren um mehrere Milliarden Euro Entschädigung für die verspätete Inbetriebnahme des Systems kämpft. Jeder normal denkende Mensch, würde in der Neuvergabe des Auftrages eine günstige Gelegenheit sehen, diesen Kampf endgültig zugunsten des Steuerzahlers zu entscheiden und die Zahlung der Entschädigung zur Voraussetzung für die Teilnahme an der Neuausschreibung zu machen. Aber wie immer stellt sich der Normalo die Dinge sicherlich viel zu einfach vor und ist nicht in der Lage, die Komplexität politischer Entscheidungsprozesse zu durchschauen. Ein Minister hat da sicherlich den größeren Überblick. Dennoch hat aber auch er die einfache Variante gewählt und dem Einfluß der Lobbyisten von Telekom & Co. schlicht nachgegeben.

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